Hannes Schweiger
Hannes Schweiger
Fredi Pröll
Fredi Pröll

PUNCH UP

„Percussioni A Due“: Perkussive Diskussionen; schlagfertige Dialoge. Rhythmische Diskurse, durchschlagende Interaktionen.
Enjoy the „Beat“ – Club.

Hannes Schweiger und Fredi Pröll kennen sich über 10 Jahre. Die Idee, gemeinsam zu spielen, gibt es schon sehr lange, scheiterte aber immer wieder an der Entfernung Wien-Ulrichsberg bzw. am Zeitmangel durch Prölls berufliche Situation. 2003 gab es dann das erste Aufeinandertreffen bei der Improvised Music Night in Wien. „Ab diesem Zeitpunkt“, so Pröll, „war klar, dass wir unbedingt an gemeinsamen Projekten arbeiten sollen, und gründeten mit unseren Freunden Uli Winter und Hermann Stangassinger das Die Wienerberger Quartett. Dieses Quartett funktionierte auf Anhieb und bot mir erstmalig die Gelegenheit, mich mit einem zweiten Schlagzeuger weiterzuentwickeln. Für uns beide war klar, dass wir auch im Duo Konzerte spielen möchten. Zum Glück gibt es V:NM, wo wir uns diesen Wunsch jetzt verwirklichen dürfen. Auch als wir uns noch nicht so gut kannten, waren die Begegnungen immer überaus herzlich. Die Freude, miteinander über menschliche Dinge und natürlich über unsere Musikauffassungen und speziell über das Schlagzeugspiel zu plaudern, haben bei mir die Lust auf gemeinsames Improvisieren genährt. Genau diese Herzlichkeit empfinde ich, wenn wir im Quartett gemeinsam spielen. Wenn wir das jetzt im Duo versuchen können, weiß ich genau, dass wir uns dabei sehr wohlfühlen werden in unserer gemeinsamen Prügelei.“

Hannes Schweiger lebte schon immer in und mit Musik. Nach seiner Rockmusikvergangenheit widmete er sich ab Ende der 70er konsequent der frei improvisierten Musik, gründete u.a. 1994 das Quartett Big Pipe Quiet, 1996 das Trio Play Ballsy, 2001 das Duo Residual und das Trio WIEN 3, spielte im In- und Ausland, gründete weiters u.a. die Trios Hobsons’s Choice, De-Escalation, The Elks, Maheha Triphthong, oder Use, hinzu kommt seine schreibende Auseinandersetzung mit Improvisierter und Neuer Musik im Rahmen des freiStil. Was bei Schweiger musikalisch enorm eingeschlagen hat, war das Quartett Lull, bei dem Pröll mit Tanja Feichtmair, Josef Novotny und Uli Winter spielt. Hierüber ergaben sich mit Pröll immer wieder sehr intensive Gespräche über Musik und Improvisation, was letztlich zum Wienerberger Quartett und durch die gegenseitige Beobachtung zur konsequent verfolgten Duo-Idee führte.

Aktuell sagt Schweiger, dass er sich über die Jahre auch ein bisschen im Improv-Kontext verlaufen und dabei Scheuklappen angelegt habe, so wenn er früher hauptsächlich nur auf Geräuschhaftes und Kopfgesteuertes fokussiert war. Die ganze Rock-Ästhetik habe er dabei komplett ausgeklammert, was er derzeit wieder aufholt, weshalb alle Improv-Projekte bei ihm momentan auf Eis liegen und er den Rhythmus wiederentdeckt hat. Sein aktueller Fokus ist daher ein Rock-Trio: „Sehr kraftvoll und laut, ohne enervierenden Reduktionismus, und mit der Möglichkeit, die Emotionalität mit der entsprechenden Kraft und Lautstärke und mit dem ganzen erarbeiteten Hintergrundwissen umzusetzen, so dass man den Rock-Fokus auch jederzeit wieder aufbrechen kann.“

Fredi Pröll hat derzeit keinen derartigen musikalischen Schnitt, ist aber, so Schweiger, sehr interessiert an dessen Entwicklung, was für das Grazer Konzert Bestes erwarten lässt. „Fredi ist so sensibel, dass er das garantiert aufnehmen und reflektieren wird. Er ist prinzipiell eher ein klang- bzw. farbenorientierter Spieler“, sagt Schweiger, der noch keine expliziten Drummer-Duos gemacht hat.

Fredi Pröll lebt wie Hannes Schweiger die Improvisation. In Ulrichsberg aufgewachsen, hatte er bereits mit 14 Jahren immer wieder Kontakt mit den Leuten vom Jazzatelier. Die improvisierte Musik und der Jazz faszinierten ihn von Anfang an, und speziell Schlagzeuger wie Paul Lovens, Paul Lytton, Andrew Cyrill und viele andere inspirierten ihn so sehr, dass kein Weg daran vorbeiführte, es auch selbst zu versuchen. Er nahm einige Jahre Unterricht in Musikschulen und besuchte mehrere internationale Workshops, u.a. mit Alex von Schlippenbach, Urs Leimgruber, Günter Baby Sommer oder Wolfgang Fuchs.

Pröll wünscht sich für das Grazer Konzert eine Atmosphäre, die Hochspannung zulässt und freut sich auf das totale Unbekannte des Moments, Schweiger ist sich aufgrund der ähnlichen Ideenansätze, was Instrumentarium und Klangqualität betrifft, sicher, dass es zu etwas Außergewöhnlichem kommen wird und weiß genau um die Klippen der spannenden Reise: „Die Herausforderung ist, es vor Publikum spannend zu halten und es nicht selbstverliebt werden zu lassen.“ Wir wünschen außerordentlichen Schlag.

Hannes Schweiger – drums
Fredi Pröll – drums

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