Franz Hautzinger
Franz Hautzinger
Bild: Nicole Fo
Burkhard Stangl
Burkhard Stangl

AFTER THE GOLD RUSH …

“I was lyin' in a burned out basement
With a full moon in my eyes
I was hopin' for a replacement
When the sun burst through the skies
There was a band playin' in my head
And I felt like getting high”

(Neil Young, After the Goldrush)

Die Zusammenarbeit von Franz Hautzinger und Burkhard Stangl währt mittlerweile Jahre. Ihrer beider Kooperationen reichen von Stangls Oper Der Venusmond und sein Caterina Valente-Projekt über Hautzingers Dachte Musik und Regenorchester bis hin zu gemeinsamen Ausflügen in die Welt der Interpretation von Werken der Komponisten wie z.B. Christian Wolff und Earl Brown. Die Kraft, die ihren musikalischen Verwebungen innewohnt, erzielen Hautziger/Stangl – getragen von einer künstlerischen Geistesverwandtschaft als unerschütterlicher Basis – aus einem den beiden Musikern innewohnenden radikalen Spürsinn für die Poesie des Augenblicks genauso wie aus der Wahrung und Wertschätzung der bewussten Differenz, dieser Poesie Ausdruck zu verleihen.

Ende Dezember 08 traten sie mit Kazuhisa Uchihashi und Phil Minton beim advanced-Festival in der Slowakei auf und erhielten Standing Ovations, aber als working Duo existieren die beiden Geistesverwandten nicht. Exakt deshalb erfüllen sie auch die Kriterien des V:NM-Festivals, denn im Duo spielen sie wirklich extrem selten und wenn, dann improvisieren sie – diesmal aber wollen sie proben und ein Konzept für das Konzert erarbeiten. Da sich ihre Ansätze eh sehr gut ergänzen und der Eine über die jeweilige Arbeit des Anderen Bescheid weiß, dürften sie sich ziemlich perfekt ergänzen. Burkhard Stangl beschreibt dies Verhältnis so: „Franz und ich gehen getrennte, aber eigentlich immer parallele Wege, die sich auch immer wieder kreuzen, so dass der eine an den Veränderungen und der musikalischen Ästhetik des Anderen teilhat.“

Für Stangl war klar, dass er immer etwas mit Musik zu tun haben wird, nur lange nicht wie: ob wissenschaftlich oder praktisch. Die Entscheidung fiel dann mit 27 Jahren endgültig. Er hatte schon als Jugendlicher immer improvisiert, aber erst spät mitbekommen, dass es eine Kunstform war. Früh mit der freien Szene in Wien zusammengekommen, lernte er viel, ist „die Jazzgeschichte im Krebsgang zurückgegangen“, hat internationale Jazzluft geatmet und immer schon Ensembles und Gruppen gehabt. In den 90ern beschäftigte er sich sukzessive mit Komposition, aber auch mit der aufkommenden elektronischen Musik. Er schloss seine Dissertation über Musikethnologie ab, tauchte danach wieder in der Improvszene ab, reiste viel, spielte viel weltweit, machte Filmmusik (u.a. für den Pabst-Klassiker Die Freudlose Gasse) und ist aktuell z.B. mit dem Ensemble Extended Heritage bzw. als Trio EH mit Billy Roisz und Dieb13 oder mit Christof Kurzmann im Duo Schnee aktiv. Seit den letzten Jahren gibt es bei Stangl trotz seiner unermüdlichen Aktivität auch die Intention, das Spielen zu reduzieren, zu komponieren und immer mehr Texte zu schreiben, um wiederum eine Art Parallele zum Komponieren zu haben. „Das Forschen und Feilen und den Geruch der Wissenschaft möchte ich nicht missen“, sagt er.

Franz Hautzinger ist als Komponist und Interpret zeitgenössischer und improvisierter Musik derzeit einer der profiliertesten, vielbeschäftigsten und anerkanntesten Musiker Österreichs. Seine konsequenten Auslotungen und Erforschungen einer Klangsprache zwischen des Polen des Modalen und Freien Jazz sowie seine unprätentiöse und dabei stets hochoriginelle Einarbeitung von Gesten und Haltungen der Neuen Musik haben ihn auf einen beeindruckenden musikalischen Weg geführt, der zunehmend über internationale und ästhetische Grenzen hinweg anerkannt und honoriert wird. Hautzinger gelingt es wie keinem anderen zeitgenössischen Musiker, Poesie, Struktur und Klangbewusstsein dialektisch zusammenzuarbeiten und bei allen radikalen Schweifungen und Tiefenbohrungen stets klar und dezidiert zu agieren.

Wenn Hautzinger und Stangl in Echtzeit zusammen musikalisch denken und fühlen, kann eigentlich nur das Beste dabei herauskommen. Der Titel ihres Grazer Projektes ist „natürlich eine augenzwinkernde Bezugnahme auf das wunderbare Neil Young-Album, aber auch auf die zynische Fratze des Finanzkapitals“, so Stangl, „und auf den derzeitigen Abgrund und die Verluste. Es geht nicht ums Jammern, sondern um eine bestimmte Bestandsaufnahme, dass man sich nicht unterkriegen lässt, gerade in schwierigen Zeiten die Dinge durchzusetzen, so dass gerade das ins Politische umkippt.“ Die Metapher ‚Nach dem Goldrausch’ meint dabei auch eine bestimmte Form von Ernüchterung, aber auch Erleichterung. Die Folgewirkung ist für Stangl schon Teil der Politik: dass man auf das Eigene besteht, aber nicht im Sinne von Egoismus oder Individualisierung, sondern dass man kommunizieren möchte und das Fremde und Andere ohne jede Intention von Exotismus und Kolonialismus anerkennen kann.

Burkhard Stangl – guitars
Franz Hautzinger – trumpets

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