Gigi Gratt
Gigi Gratt
Werner Zangerle
Werner Zangerle

ZWAZWA

Gigi Gratt und Werner Zangerle trafen sich in den 90ern in Salzburg, wo sie in einem Ensemble das erste Mal miteinander musizierten. Im Folgenden waren beide im selben Konservatoriumsjahrgang an der Linzer Bruckneruni und entschlossen sich im Jahr 2002 zu einem gemeinsamen Projekt, dem Quartett So, heute Braaz, mit dem sie auch beim V:NM 2003 auftraten. „Im weitesten Sinne Free Jazz, aber auch mit Noise-Elementen“, bezeichnet Zangerle den Boden der Band. Dann lud Gitarrist Gratt den Saxofonisten Zangerle ein, bei seinem Großprojekt Gigi`s Gogos mitzumachen. Zangerle: „Das ist Free-Rock-Wahnsinn: 3 x Drum, 3 x Bass, 3 x Gitarre, 3 x Sax und Gigi als Dirigenten.“ Gratt vereinte bei den Gogos Musiker mit den verschiedensten Hintergründen und komponierte auf ihre Spielweise und ihr Können hin, wobei er von Kurzmanns Orchester 33 1/3 und dem Ex-Orchestra inspiriert wurde.

Auch aktuell arbeitet er konstant daran, große Besetzungen zu realisieren, die über den klassischen BigBand-Sound hinausreichen. Gratt: „Das Wichtigste beim Musikmachen und -hören ist Intensität. Ein Konzert funktioniert nur dann für mich, wenn ich mich in diesem Zwischenbereich befinde, wo ich ein Konzert spiele, es mir aber gleichzeitig anhöre. Dann funktioniert auch die Kommunikation zwischen den Musikern. Stilistiken und Schubladen sind für mich total uninteressant und schränken Musiker nur ein. Bei Intensität meine ich vor allem das Zusammenspiel der Musiker. Ich habe schon Noiserockkonzerte gesehen, die mich an die Energie eines Coltrane oder eines Brötzmann erinnert haben, und die hundertmal besser waren als irgendwelche Musikstudenten, die nur Virtuosität als Kriterium für gute Musik sehen. Ganz wichtig sind für mich auch Live-Konzerte; man kann nirgends soviel lernen wie bei Konzerten. Man kann noch so viele Stunden im Proberaum verbringen, ohne Live-Erfahrung wird immer etwas fehlen.“

Der gebürtige Salzburger Zangerle kam von den Klavierstunden der Kindertage mit 14 zum Sax, spielte dann als 17jähriger in einer Punkrockband, blieb aber stets von der Jazz-Plattensammlung des Vaters angefixt: Lester Young und vor allem Fats Navarro sind auch heute noch für ihn Klassiker, zu denen er steht. „Swing und Hardbop sind immer noch Bezugskonstanten, die Interessen in Richtung Improvisation und Freispiel haben sich seitdem nur verbreitert.“ Zangerles derzeitiger Hauptfokus ist sein seit 2006 bestehendes Quartett, das seine Kompositionen im Modern-Straight-Ahead-Stil ohne 08/15-Jazzharmonik und Egotrips erarbeitet. Die kollektive Interaktion ist hierbei neben einem Hang zu oftmals einfachen Melodiestrukturen am wichtigsten.

Im Jazz of 3 Cities-Projekt hingegen vertiefte Zangerle im Triospiel seine Tristano-Studien, nicht zuletzt, weil man bei Tristano das Potenzial zum freien Spiel sehr gut verfolgen, entwickeln und auch vermitteln könne. Das wirklich freie Freispiel fing für Zangerle jedoch erst mit Gratt an. Dieser kommt wie Zangerle eben auch vom Jazz, hat aber seit je auch immer diesen großen Hang zum Noise-Rock, den er schon früh und immer noch mit Bernhard Breuer im Duo Tumido auslebt. Gegenwärtig spielt Gratt kaum noch Jazz, dafür ist die improvisierte freie Musik ein bedeutenderer Einfluss auf seine Musik geworden, so z.B. im Trio NirwAkia mit Wolf Lobo Eisberg (ex Ohmnibus) und Martin Hiptmair, wo freie Improvisation in sehr komplexe Strukturen eingebunden wurden.

Sehr wichtig für die Arbeits-Entwicklung von Gratt und Zangerle war auch ein gemeinsamer Kompositionsauftrag für das Festival Stop Spot 2007 mit dem Quintett 15:8. 2008 dann spielte Gratt seine ersten Solokonzerte mit der akustischen Gitarre, wo sehr viel mit Sounds und präparierter Gitarre experimentiert wurde. Genau dies wollte Gratt nun auch im Duo ausprobieren, und auf dem V:NM-Festival 2009, wo er sein akustisch-präpariertes Spiel per Sampler loopen und Zangerle sein Sax pur dazu spielen wird, bietet sich hierfür eine ausgezeichnete Bühne. Gratt schätzt an Zangerle, dass er, gleich in welchem musikalischen Kontext, immer einen Sound findet, der das Ganze, egal in was für einer Stilistik, unterstützt und vorantreibt: „Er hat ein enormes Gespür für Situationen und wie er damit umgeht und dazu einen großen Sinn für Humor, der mir beim Musizieren sehr wichtig ist.“

Gigi Gratt – prepared acoustic guitar, live looping
Werner Zangerle – tenor saxophone & other sound objects

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