Andy Manndorff
Andy Manndorff
Bild: osaka
Andi Schreiber
Andi Schreiber
Bild: osaka
Lukas Koenig
Lukas König

MANNDORFF – SCHREIBER – KÖNIG

Andy Manndorff und Andi Schreiber, Wiener Kosmopoliten und unermüdliche Improvisateure, kannten und schätzten einander bereits aus diversen Ensembles, als sie vor vier Jahren begannen, als Duo zusammenzuarbeiten. Manndorff schätzt als wichtigsten Parameter in der musikalischen Interaktion die Freiheit, die sich jemand im Zusammenspiel nehmen kann, ohne die Entfaltungsmöglichkeiten des anderen einzuschränken – und Schreiber sei jemand, der dies außerordentlich gut kann. Dieser wiederum sieht in Manndorff einen sehr eigenständigen und mit niemand vergleichbaren Spieler, der für die Qualität von Musik alles zu geben bereit ist.

Es ist auffällig, wie sehr sich die beiden im Gespräch ergänzen. Hören wir ihnen eine Weile zu: „Improvisation und Komposition sind ja keine Widersprüche, sondern eigentlich dasselbe“, so Schreiber. „Allerdings eben keine Instant- oder Einheitsware, sondern eine Entwicklung. Der andere Spieler gestaltet den musikalischen Weg mit, der so eine gelebte Art der Kompositionstechnik wird.“ Die Idealform – das gelte unbedingt auch für weibliche Musiker – seien daher zwei Gockel auf der Bühne, also Spieler, die nicht abwarten, sondern handeln, aber wenn es darauf ankommt, zuhören und kommunizieren können. „Humanistische Gockel“, ergänzt Manndorff lachend, „eigenständig und lernfähig. Man kann dieses Spiel perfektionieren, sich sensibilisieren und schulen.“ Dafür, ergänzt Schreiber, braucht es aber nicht nur geschulte Ohren, sondern auch eine 100%ige Aufnahmebereitschaft.

Jazz bedeutet für Manndorff und Schreiber keine Stilistik oder gar Illustration, sondern eine Haltung: der Wille, sich aufzumachen und zu lernen. „Es geht los, und nichts ist da – außer der Stille. Damit arbeiten wir wie die Maler vor einer weißen Leinwand. Wir haben noch nie eine Probe gehabt“, versichert Manndorff, „Wozu auch“, betont Schreiber, der u.a. Improvisation in Linz lehrt, „dies wäre wenig zielführend. Ich sage meinen Schülern oft: vergesst alles, was ihr könnt, die Geschichte und die Tradition. Sonst könnt Ihr euch nicht mehr auf neue Sprachen einlassen. Jazz ist eine Aufführungspraxis. Um etwas darzustellen, dazu braucht es natürlich auch letztlich bestimmte Klischees“. Manndorff findet es auch „irrsinnig charmant, ein solches Klischee einzusetzen und aufzubrechen.“ „Es versetzt in eine bestimmte Stimmung“, ergänzt Schreiber, „es ist vor allem wichtig, wie man etwas spielt, nicht nur was. Der emotionale Aspekt ist sehr hoch und wichtig für unsere Musik.“ Manndorff: „Wir fahren daher beim Spiel auch nicht auf den Traditionslinien, also etwa bestimmten Bob-Bahnen, sondern bleiben uneben. Es brodelt immer, es hat immer einen energetischen Teil. Dieses Erzeugen von Lebendigkeit ist für unser Spiel existenziell wichtig.“

Das Novum beim V:NM 2009 wird ihr Zusammenspiel mit dem jungen Drummer Lukas König sein, der bei Helicopter 111, aber auch mit vielen anderen Musikern der Jazz- und Improv-Szene spielt. Manndorff: „Ein vitaler, aufmerksamer Spieler, sehr musikalisch und dynamisch.“ Er hörte ihn bei einer Session im Blue Tomato und war sehr angetan, wie er und Schreiber es generell von der jungen Wiener Szene sind, die viel frischen Wind gebracht habe. Viele von der JazzWerkstatt z.B. hatten Kurse bei Schreiber, der sehr auf diese junge Energie steht. „Der Rhythmus ist das am wenigsten bearbeitete Feld in der experimentellen Musik“, sagt Schreiber, der schon vor zehn Jahren mit DJs gearbeitet hat. „Doch das ist etwas anderes, nämlich Arbeit mit vorgefertigten Modulen. Unser V:NM-Trio dagegen besteht aus drei polyphonen Stimmen, die sich vorher komplett entleeren. Das ist der eigentliche Kernpunkt.“

Schreibers derzeitiger Arbeitsfokus ist ein Projekt namens 137 (der Titel bezieht sich auf eine klassische Zahl der Physik und Mythologie), bei dem er u.a. schamanistische Traditionen musikalisch erforscht, also „Rhythmen, die man eigentlich nicht spielen darf, aber auch Stränge der griechischen Tradition. Alle früheren Mystiker waren Musiker.“ Das Besondere an 137 sei die Darstellung verschiedener Modelle durch Interdisziplinarität, wobei er auch die Arbeit mit Zeit- und Raumkonzepten sehr interessant findet. Mandorff, der als Gitarrist vor kurzem noch mit einem physischen Handicap aka einer Verletzung zu kämpfen hatte, fokussiert seine Kräfte dagegen derzeit vor allem auf sein Trio mit Achim Tang (db) und Reinhardt Winkler (dr), das mit dem 2008er Album You break it – you own it, welches eher ruhige und eindrucksvolle impressionistisch-lyrische Texturen mit freispielerischer Vision verbindet, für durchwegs positive Resonanz sorgte. Der emotional-energetische Impuls indes ist für das Live-Spiel von Schreiber und Manndorff seit jeher bestimmend – man kann nur gespannt sein, wie dies in Graz mit einem expliziten Rhythmus-Kick verbunden wird.

Andy Manndorff – guitar
Andi Schreiber – violin
Lukas König – drums

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