Clementine Gasser
Clementine Gasser
Bild: Elvira Faltermeier

Jean-Christophe Mastnak
Jean-Christophe Mastnak
Bild: Catherine Rollier

Hermann Stangassinger
Hermann Stangassinger


Uli Winter
Uli Winter

GASSER | MASTNAK | STANGASSINGER | WINTER

Dieses Projekt enthält Versprechungen und Spannungen, die auf der Bühne nicht gelöst, sondern gehalten werden müssen. Hermann Stangassinger, freier Kontrabassist und ebenso tief in der Improv- und Neue Musik-Szene verwurzelt wie in den Spielhaltungen und Energien all der Hardcore-Trash-Industrial-Punk Bands, die ihn Anfang der 90er begeisterten, und Uli Winter, der seit seinem 14. Lebensjahr improvisierte Musik macht und u.a. das Spiel mit Fredi Pröll, LULL oder Trio Broccoli prägt, kennen sich schon länger und spielen auch gemeinsam im Die Wienerberger Quartett. Ihr Duospiel ergänzte sich ebenfalls sehr gut, aber als sie in Ulrichsberg und Nickelsdorf Clementine Gassers Violoncello gehört hatten, war es um sie geschehen: „Ihr Spiel begeisterte uns. Unser Projekt war primär als Streichtrio konzipiert, der Vorschlag aber, Jean-Christophe zu integrieren, gefiel uns.

Die nun vorliegende Instrumentierung erscheint uns als ungewöhnlich, interessant, neu.“ Allerdings: Streichtrio plus Wald- und Alphorn, das hört man wirklich nicht alle Tage. Um die Möglichkeiten auszuloten, traf man sich zu einer Probe im WUK, und die Rechnung ging auf. Winter: „Von Anfang an war alles klar. Obwohl Hermann und ich noch nie mit Clementine und Jean-Christophe zusammengearbeitet hatten, war es ein mehr als erfreuliches Zusammentreffen.“ Stangassinger: „Wie ein blindes musikalisches Verständnis. Das mag daran liegen, dass wir alle eine langjährige Erfahrung mit dieser Musik haben. Andererseits, in Anbetracht unserer unterschiedlichen musikalischen Sozialisation – grob gesagt von Klassik bis Free Jazz bis Metal – scheint doch von Anfang an eine grundsätzliche Offenheit und ein gegenseitiges Vertrauen und Wohlwollen da gewesen zu sein.“

Die avancierte Komponistin und Musikerin Clementine Gasser, derzeit u.a. im fixen Trio mit Mikołaj Trzaska und Michael Zerang sowie dem India Trio aktiv, wurde unter anderem durch ihr Duo-Projekt mit Peter Lössl Wilde Kammermusik bekannt. Hier lagerten sich Genres übereinander, und Widersprüchlichkeiten wurden im Sinne einer subversiven Klassik-Avantgarde dialektisch und ohne Fixierungszwang ausgelebt. Gasser ist es ein erklärtes Anliegen, die improvisierte mit der notierten Musik zu verbinden. In Sachen freier Improvisation geht es ihr dagegen konsequent um den Moment, aus dem das Leben entsteht und wo es beheimatet ist. „Es geht um das Risiko und die Intensität, das ist wichtiger als der Kompromiss.“

In Ensembles, wo die leiseren oder flächigeren Bereiche dominieren, hat sie oft das Gefühl, sich zurückhalten zu müssen. Diese Selbstkontrolle aber ist für Gasser grundsätzlich eine andere Art der musikalischen Wahrnehmung, bei der sie nicht einen Schritt zurück-, sondern in sich hineintritt. Die Möglichkeit, expressiv und eruptiv über die Katharsis zum inneren Raum zu finden, unterscheidet sich bei ihr von dem eher strukturellen und kopfgesteuerten Weg in sich hinein, aber es ist kein Geheimnis, dass Gasser als überzeugte Powerspielerin hochenergetisch-geladene Ensembles, bei denen die Funken fliegen, klar bevorzugt.

Für das V:NM 09 Projekt holte sie sich deshalb einen ganz besonderen musikalischen Joker an Bord: der Hornist Jean-Christophe Mastnak ist ein hochorigineller Freispieler, der einen ähnlich direkten und bauchbetonten Zugriff auf das musikalische Material schätzt wie sie. „Musik“, so Mastnak, „ist direkt und subtil zugleich.“ Der passionierte Alphornspieler kann eine fundierte und exzellente musikalische Vergangenheit vorweisen, u.a. als erster Hornist bei den Düsseldorfer Sinfonikern und in diversen klassischen Ensembles und Orchestern, und als zeitgenössischer Komponist hat er auch so einiges auf Lager. „Like Hindemith, but more fun“, wie sein fachkundiger Kollege und Freund Tom Varner ihm attestierte.

In Sachen Improvisation und Komposition macht Mastnak keine Trennung: „Improvisation beginnt mit Stille, und Komposition mit einem weißen Stück Papier.“ Mastnak, der u.a. bei der Wiener FreeFunk-BigBand U.R.G.A. spielt oder auch mal Klammer-Gründler zum Trio macht, ist ein guter Teamspieler, aber wenn es die Situation verlangt, stellt er sich notfalls auch alleine hin. Das wird an diesem Abend nicht nötig sein: dieses Quartett dürfte in Graz für Hochspannung sorgen.

Clementine Gasser – 5-string violoncello
Jean-Christophe Mastnak – frenchhorn, alphorn
Hermann Stangassinger – doublebass
Uli Winter – violoncello

close