Heimo Puschnigg
Heimo Puschnigg
Bild: Josef Klammer
Manfred Stern
Manfred Stern
Bild: Josef Klammer
Peter Behrendsen
Peter Behrendsen

BEHRENDSEN – PUSCHNIGG – STERN

Peter Behrendsen ist nach wie vor einer der wichtigsten Aktivisten und Impulsgeber für die Szene der neuen elektronischen und elektroakustischen Musik in seiner Heimatstadt Köln. Der reine Autodidakt, musiksozialisiert durch deutschen Schlager, symphonische Klassik, Oper, Rockmusik, Free Jazz und experimentelle Musik, begann in den 70ern mit dem AKS Synthi zu arbeiten, war Mitglied der Musik/Dia/Licht-Galerie von Josef Anton Riedl und beim Westdeutschen Rundfunk Köln 10 Jahre lang Assistent beim WDR-Studio Akustische Kunst. In dieser Zeit machte er viele Produktionen und lernte auch John Cage kennen, dessen Ideen und Arbeiten ihn am stärksten geprägt haben.

Angeregt durch Cage, Jackson Mac Low, Alvin Lucier und David Tudor, die er als seine Lehrer bezeichnet, sowie die us-amerikanische Szene der experimentellen Musik beschäftigte er sich intensiv mit Live-Elektronik und Text-Sound-Komposition. „Wichtig sind für mich beim Komponieren wie auch beim Musikmachen nicht so sehr Expression und gruppendynamische Erfahrung, ich strebe eine eher ‚außerindividuelle’ Orientierung an, Zuhören und Geschehenlassen finde ich sehr wichtig. Das beinhaltet auch das Spielen und Generieren von elektronischen Klängen, die ich am liebsten so komplex konfiguriere, dass es zu unvorgesehenen und überraschenden Resultaten kommt.“

Neben seiner Tätigkeit als Hörfunkregisseur und –autor ist Behrendsen auch als Musik- bzw. Konzertorganisator aktiv geworden. Seit 1987 organisierte er Veranstaltungen im Umkreis der experimentellen, improvisierten Musik sowie jener Kunstsparte, die zwischen den sonst getrennten Genres situiert ist und Poesie, visuelle Medien, Performances und Installationen einschließt. 1995 gründete er die BrückenMusik, eine sehr erfolgreiche Veranstaltung an einem spektakulären Spielort, dem Hohlkasten der Deutzer Brücke in Köln, die seit 2005 von hans w. koch und Jens Brand weitergeführt wird. Die aktuelle österreichische Szene kennt der gebürtige Wiener Neustädter vor allem von einigen Komponisten, Musikern und Ensembles, die er sehr schätzt, aber sonst noch nicht gut genug, weshalb er sich in Graz interessante musikalische und persönliche Begegnungen erhofft. Diese wird er auf der Bühne definitiv von Heimo Puschnigg und Manfred Stern erhalten.

Die beiden ausgezeichneten Musikpädagogen und Interpreten von Neuer Musik und avanciertem Jazz lernen Behrendsen erst kennen, freuen sich aber sehr auf das Treffen, nicht zuletzt, „da er ja alte Schule ist und wir ebenfalls alte Hunde“. Sie kamen bereits im März mit fertigen Stücken und Grundkonzepten nach Köln zu einem ersten konzertanten Treffen; in Graz wird dies beim V:NM 09 dann weitergeführt. Ihre Intention ist klar: eine komplett freie Geschichte, aber diese ganz auf dem Punkt.

Das Verhältnis von Puschnigg und Stern zur Elektronik ist von grundsätzlicher Aufgeschlossenheit, aber auch gesunder Skepsis geprägt, was sich aus ihren Erfahrungen generiert. Die Naturinstrumentspieler sehen sich dabei in Affirmation zu Behrendsens Ästhetik klar als Gegenpol, befinden sich gleichwohl als Elektronik-Neuländer in heller Vorfreude auf diese Begegnung, denn „die Jungfräulichkeit macht das Ganze sehr reizvoll“. Puschnigg, der schon mit Klammer-Gründler gespielt hat, ist grundsätzlich mehr an Melodie als an Klang interessiert, Stern spielte „als alter Klangverfechter“ ebenfalls mit Josef Klammer, Armin Pokorn und vielen anderen Aktivisten der Grazer freien Szene, die seit langem ihr Stamminstrument elektronisch bearbeiten.

So geht das ja auch, sagt Stern, aber Elektronik als statische Klangabrufung ist Irrtum, Entertainer-Unkultur und Alleinunterhalter-Terrorismus der Mantovani-Erzeuger. Auch die Jugend lebe im Irrtum, wenn sie nur den Klang abruft, die ganzen Tasten kommen dann in Erklärungsnot. Elektronik soll halt definitiv nichts nachäffen, solange sie aber als ein eigenes Instrument auftritt, umarmen sie Puschnigg/Stern euphorisch. Und auf der Bühne, wissen die beiden, sind alle lebenslangen Klangideale ja eh Schwachsinn, da es da auf praktische Lösungen ankommt – mit diesem idealernüchterten Pragmatismus kann sicherlich auch Peter Behrendsen gut leben und seiner Festplatte live gehörig Zunder geben.

Peter Behrendsen – laptop
Heimo Puschnigg – piano
Manfred Stern – flute

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