Josef Klammer
Josef Klammer
Oskar Aichinger
Oskar Aichinger
Seppo Gruendler
Seppo Gründler

AICHINGER – GRÜNDLER – KLAMMER

„Die Grundidee zu diesem Konzert“, so Oskar Aichinger, „könnte einfacher nicht sein. Wir kennen und schätzen einander schon so lange, ich trete seit ewig beim V:NM-Festival auf, und dennoch habe ich mit den beiden noch nie gespielt. Vielleicht auch, weil Klammer-Gründler so eine fixe Trademark ist, dass man gar nicht auf die Idee kommt, sich da als Beiwagen ans Zweirad zu hängen. Hoffe aber, da nicht nebenher zu fahren, sondern am Sozius Platz zu nehmen. Wir werden sehen!“

Oskar Aichinger ist bislang bei jedem V:NM-Festival aufgetreten. Mit KGD, also Klammer und Gründler als Duo, hat er aber tatsächlich noch nie gespielt. Ein Begriff ist ihm das Duo zwar schon seit bestimmt 15 Jahren, aber vielleicht verhinderte auch Aichingers ambivalentes Verhältnis zur Elektronik bislang einen Austausch. Generelle Berührungsprobleme hat er zwar nicht, wovon seine Zusammenarbeit seit 2002 mit Stefan Németh, Achim Tang und Paul Skrepek als synapsis Zeugnis ablegt. Die Kollaboration mit Németh, dessen Umgang mit dem Synthesizer, vor allem bei Radian, ihn sehr überzeugte, besteht nach wie vor und ist auch aktuell ein spannender Teil seiner Komponistenbiografie (u.a. Auftritt beim New Yorker Moving Patterns-Festival 2005).

Was Aichinger aber an der Elektronik stört, ist, wenn sie aus einem Spieltrieb und nicht aus einem kontrollierten Prozess heraus entsteht. Andererseits neigen ihm viele Spieler bei der elektronischen Improvisation auch zu sehr zur Vorsicht, und das geht bei Aichinger schon einmal gar nicht. Er selbst hat erst ein paar Mal mit einem Synthesizer gespielt, kennt sich aber sehr gut mit der Architektur und Struktur des Instruments aus, ist aber trotzdem nie allzu weit vorgedrungen, da ihm immer schnell recht fad dabei wurde. Zwar lud er sich Software aus dem Internet, aber immer mit einem gewissen Teil von Langeweile und dem Wissen, dass er bestimmt ein bis zwei Jahre intensivste Arbeit investieren müsste, um seinen Ansprüchen genügen zu können. Der direkte physische Zugriff auf ein Instrument liegt Aichinger eher.

Seppo Gründler und Josef Klammer sind die maßgeblichen österreichischen Pioniere und Vertreter der elektroakustischen Improvisationskomposition und wurden in den 90er Jahren nicht zuletzt auch als Medienmusiker und Klangkünstler rezipiert. In letzter Zeit sind ihnen ein selbstverständlicher Umgang mit ihren Instrumenten und ein daraus resultierender musikantischer Umgang damit wieder wichtiger geworden. Was war Aichingers erster Eindruck von ihren Konzerten? „Die totale Einheit, ein Blind-Verstehen: da sind zwei, die scheinbar schon ewig miteinander arbeiten, und das spürte man.“ Für Aichinger war das auch der Grund, warum man nicht fragt, dort einzusteigen: KGD ist rund und rollt – und soll man dabei wirklich fünftes Rad am Wagen sein?

Aichinger hat natürlich trotzdem gefragt, weil er das Risiko eben mag. „Ich hoffe, dass ich nicht dazu genötigt werde, das abzugeben, was ich sonst live abgebe: nämlich meine eigenen Klischees – auch wenn sie gut sein mögen – zu reproduzieren. Aber auch ein bisschen Kontrageben ist gut. Vorsicht bringt in der freien Improvisation überhaupt nichts. Vorsicht ist Lähmung.“ Ein klares Kontra muss trotzdem nicht zwangsläufig erwartet werden. Für Aichinger ist es vielmehr wichtig, eine Atmosphäre zu kreieren, die das Publikum in Bann schlägt. Zuletzt hat er derartige intensive Risikospiele im Trio mit Michael Moore und John Edwards erlebt, oder in Sessions mit Tristan Honsinger und anderen – da hat die Chemie gestimmt, und es wurde von Anfang an sehr selbstbewusst, stur und auf Risiko gespielt. „Es sind halt internationale Kapazunder, klar. Aber generell darf es nicht sein, dass abwartend und reaktiv gespielt wird. Im Bezug auf freie Improvisation“, stellt Aichinger klar, „ist eine gesunde Respektlosigkeit unbedingt zu befürworten.“

Die Wahrheit des guten Spiels liegt trotzdem nicht unbedingt nur in der Erstbegegnung, sondern es ist auch ein gewisses Wissen vonnöten, das er bei KGD voraussetzt. „Eigentlich schade, denn so ist auch das totale Scheitern eigentlich unmöglich geworden, da man immer ein Repertoire an Rettungsankern hat, die man bei Bedarf rausziehen kann.“ Vielleicht entwendet sich das Trio diese Anker an diesem Abend gegenseitig und wirft sie weit weg. Mit welchem Instrumentarium die drei auftreten, ist völlig offen und soll ein klarer Überraschungseffekt sein.

Oskar Aichinger – piano
Seppo Gründler – guitar, electronics
Josef Klammer – drums, electronics

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